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Krankenhäuser weltweit

Michaela Kühn am 19.01.2012
Seit dreißig Jahren reise ich in Länder der unterschiedlichsten Kontinente. Es interessieren mich vor allem Länder die touristisch nicht erschlossen sind und Kulturen die mir fremd sind. Eben Kulturen die mich herausfordern, meine eigene westliche, deutsche Kulturprägung wieder in Frage zu stellen um sie neu zu ordnen und zu definieren.

Ich versuche Dinge anders zu sehen als ich es gelernt habe und bin immer wieder überrascht, dass das Land oft ganz anders ist, als wie man es in Deutschland aus der Presse entnehmen kann. Von Menschen aus Ländern, die zur "Achse des Bösen " gehören oder als Schurkenstaat bezeichnet werden, kann man sehr viel über die Kritikfähigkeit gegenüber dem eigenen Land lernen.

Beim Reisen habe ich gewisse Rituale entwickelt. Eines davon ist, in dem jeweiligen Land in dem ich verweile, ein Krankenhaus als Krankenschwester zu besuchen. Ich setze mich in die Eingangshalle des Krankenhauses und beobachte das Geschehen und versuche die Atmosphäre aufzunehmen. Bei einem Besuch sah ich zum Beispiel in der Ecke der Wartehalle zwei alte Männer auf dem Boden liegen. Sie lagen auf ausgebreiteten Kartons. Ihr Körper war kachektisch und dehydriert. Ihre Atmung stockte und war oberflächlich. Man hatte sie zum Sterben hier hergebracht. Da lagen sie einsam und in einer menschenunwürdigen Umgebung. Niemand nahm Notiz von ihnen.

Ich führte meinen persönlichen Rundgang weiter fort und gelangte zur Notfallaufnahme. Spätestens dort kann man erkennen, ob man sich in einem reichen oder armen Land befindet. Es ist erschreckend, dass in manchen Ländern keine adäquate Notfallversorgung stattfinden kann. In den Behandlungsräumen ist kaum medizinisches Material vorhanden. Nur wenige Handschuhe für das Personal, keine medizinischen Geräte außer einem EKG-Gerät, das den 35-Jährigen Geburtstag schon gefeiert hat.

Wenn es mir gelingt, versuche ich in Kontakt mit dem medizinischen Personal zu kommen. Sie erzählen mir, dass sie leider nicht jedem Menschen helfen können, da es an vielen Dingen im Krankenhaus mangelt.

Ich gehe weiter in den Stationsbereich. Die Türen der Krankenzimmer stehen weit offen, der Durchzug schenkt den Kranken Erleichterung. In den Zimmern sind große Familiensippen untergebracht. Es wird auf dem Fußboden gekocht. Ich denke kurz an Hygienevorschriften und verwerfe diesen Gedanke gleich wieder. Das Pflegepersonal freut sich über mein Interesse an ihrer Arbeit und ist interessiert etwas über ein deutsches Krankenhaus zu erfahren.

Es ist immer wieder ein Erlebnis, eine Erfahrung ganz besonderer Art, Krankenhäuser in anderen Ländern zu besuchen. Dabei wird mir immer wieder bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist genügend Pflegematerialien und medizinische Geräte zur Verfügung zu haben, damit die Pflegefachkräfte die Möglichkeit haben, den kranken Menschen adäquat zu helfen. Das sind für uns zwar alles Selbstverständlichkeiten, die aber keineswegs überall selbstverständlich sind. Ich bin wirklich dankbar, in so einem guten Gesundheitssystem wie in Deutschland als Krankenschwester arbeiten zu können. Die Pflege und die Medizin haben hier wirklich die Möglichkeiten den Patienten zu helfen.

Mein letzter Krankenhausbesuch in der Fremde war im Oktober 2011 in den japanischen Alpen in der Kleinstadt Takayama.


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Tags: Michaela Kühn selbständige Krankenschwester Einblick in medizinische Versorgung andere Kulturen

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