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Die dosierte Lippenbremse in der Praxis

Wolf Reich am 02.02.2012

Eine Möglichkeit auf Dyspnoe zu reagieren, ist der Einsatz der dosierten Lippenbremse.

Was ist die dosierte Lippenbremse?


Kurz erklärt folgendes:
Eine Atemtechnik, die mittels exspiratorisch wirksamer Stenosen, den exspiratorischen Kollaps bei tracheobronchialer Instabilität durch eine intrabronchiale Druckerhöhung vermindert oder vermeiden kann (1).

Wie funktioniert sie?


Atmen Sie durch die Nase ein und durch die leicht gepressten Lippen (diese geben den Widerstand) wieder aus. Klingt wie viele F's nacheinander ungefähr so: fffff. Es ist fast so als würden Sie eine Kerze auspusten.

Erfahrungsbericht: Von der Theorie in die Praxis


Manchmal begegnen mir Menschen mit einer Lungenerkrankung, meistens mit COPD, die wahrscheinlich wenig über den positiven Effekt oder überhaupt etwas über die Lippenbremse gehört haben. Ausnahmen sind in der Regel die erfahrenen COPDisten.

Notfälle, die sofort ärztlicher Hilfe bedürfen, nehme ich hier raus und gehe hier auch nicht weiter auf Oberkörperhochlagerung, Fenster öffnen etc. ein, da diese Dinge selbstverständlich sind.

Dyspnoe ist mit Angst verbunden. Von daher ist es aus meiner Erfahrung her wichtig, den Betroffenen ernst zu nehmen und während der Atemnot zu begleiten und die Angst z.B. durch die eigene Präsenz und Sicherheit zu mildern. Eine klare und wertschätzende Sprache (auch die Körpersprache) ist hilfreich. Freundlich, ruhig und bestimmt den Patienten auffordern, den Anweisungen zu folgen.
Sich für den Menschen Zeit zu nehmen ist ein weiterer wichtiger Punkt, der zum Erfolg führen kann.

Wenn die Dyspnoe nicht besser wird und ein Bronchodilatator („Notfallspray“) zum Einsatz kommt, wird die dosierte Lippenbremse bis zur maximalen Wirkung wie oben beschrieben fortgeführt. Es besteht die Möglichkeit einen Notfall, der mehr Fachpersonal und Ressourcen bindet, zu vermeiden.

Hilfreich ist es, wenn der Betroffene die Atemtechnik kennt und durch regelmäßiges Training eingeübt hat. Trifft dies zu, so wird der Betroffene wahrscheinlich einige Situationen im Vorfeld selbst meistern können.

Einige Punkte, die für den Erfolg entscheidend sind:

  1. Zu welchem Zeitpunkt der Dyspnoe treffe ich ein.
  2. Schaffe ich es, in kurzer Zeit Vertrauen aufzubauen.
  3. Bin ich selbst sicher und ruhig in der Situation.
  4. Kennt der Patient die Atemtechnik.

Fazit


Bei regelmäßiger Anwendung besteht für den Betroffenen die Möglichkeit, in Belastungssituationen oder bei Dyspnoen selbständig und ohne Hilfe von außen die Situation zu kontrollieren. Für den Krankenhausalltag bedeutet es möglicherweise die eigenen Ressourcen anderweitig einzusetzen.

Quellen:
1: COPD – Versorgungsleitlinien/ Physiotherapie
Tags: Freiberuflicher Krankenpfleger Wolf Reich Lippenbremse Dyspnoe Atemtechnik

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