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Lillian Wald – Die Initiative einer mutigen Krankenschwester

Maren Krusch am 10.02.2012

Lillian Wald ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Krankenpflege. Ausgestattet mit einem offenen Herzen, Intelligenz, Arbeitseinsatz und Mitgefühl entwickelte sie Anfang des 20. Jahrhunderts ein Selbstverständnis für die moderne Krankenpflege.

Lillian D. Wald wurde am 10. März 1867 in Cincinnati/Ohio geboren und war eines von vier Kindern einer deutsch-polnisch-jüdischer Familie. Sie hatte das Glück unter günstigen finanziellen Verhältnissen aufzuwachsen, was ihrer Ausbildung zu Gute kam. So genoss sie als Kind an einer Privatschule eine fundierte Schulausbildung auf welcher sie sowohl die deutsche als auch die französische Sprache erlernte.

Nach ihrer Schulausbildung wollte sie eigentlich Kunst studieren. Lillian bewarb sich auf dem Vassar-College, einer Kunstakademie im Herzen von New York. Auf Grund ihres zu jungen Alters wurde sie dort abgelehnt, was für einen klugen und kreativen Kopf wie Lillian Wald bestimmt nicht ganz einfach war. Ihr beruflicher Werdegang begann schließlich mit der Arbeit als Korrespondentin, welcher sie sechs Jahre lang nachging.1889 begann Lillian Wald ihr Krankenpflegestudium an der Krankenpflegeschule des New York Hospital. Dort war sie als Krankenschwester, bis zur Aufnahme ihres weiteren Studiums der Medizin im Jahr 1891 am Women’s Medical College, beschäftigt.
Während ihres Medizinstudiums unterrichtete sie häusliche Krankenpflege in der bevölkerungsreichen East Side von Manhattan. Lillian und ihrer Kollegin Mary Brewster kümmerten sich dort um die Ärmsten der Armen von New York.

Eines Morgens, während Lillian Wald unterrichtete, kam die Tochter einer von Walds Studenten tränenüberströmt in das Klassenzimmer. Sie berichtete, dass ihre Mutter schwer erkrankt sei, was Lillian dazu bewegte, dem Mädchen in das Elternhaus zu folgen, um der kranken Mutter zu helfen. Sie fand eine verarmte Frau vor, die in einem schmutzigen von Blut durchtränkten Bett lag, nachdem sie vor zwei Tagen entbunden hatte. Lillian half der Frau, säuberte das Bett und die Wohnung der Patientin und versorgte die Familie. Das trug glücklicherweise zur Genesung der jungen Mutter bei. Die Familie war Lillian gegenüber so dankbar, dass sie ihr die Hände küssten, als diese gehen wollte.

Dieses Ereignis war für Lillian Wald eine Art Initialzündung. Sie hängte ihr Medizinstudium an den Nagel und gründete eine Organisation mit dem Namen: „the Visiting Nurse Service of New York“. Innerhalb weniger Monate entstand unter dem Arbeitseinsatz von Wald und ihrer Kollegin Mary Brewster eine gut durchdachte und strukturierte Organisation, welche es den Armen ermöglichte, den Besuch einer Krankenschwester zu erhalten, wenn diese sich keinen Arzt leisten konnten. So kümmerten sich vorrangig Krankenschwestern um die Genesung ihrer Patienten aus der Unterschicht von New York, dessen Organisation später den Namen Henry-Street-Stiftung tragen sollte und in die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika einging.

In den Jahren ihrer Arbeit half Lillian Wald 1912 bei der Gründung der „National Organization for Public Health Nursing“, welche zum einen Informationen über die medizinische Krankenpflege austauschte und zum anderen Standards setzte, an denen sich die Krankenpflege orientierte. Lillian Wald wurde die erste Präsidentin dieser Organisation.

Natürlich bleibt eine derart couragierte Krankenschwester wie Lillian Wald an dieser Stelle nicht stehen.
So kam es dass sie:

  • Präsident Roosevelt zur Einrichtung eines staatlichen Bundesamtes zum Schutz von Kindern, insbesondere gegen die Ausbeutung von Kindern, welche unter unwürdigen Verhältnissen Kinderarbeit verrichteten mussten, überredete

  • sich für die Gesundheitskontrolle und Fürsorge von Arbeitern an deren Arbeitsplätzen sowie für sichere Arbeitsbedingungen einsetzte

Ebenfalls war Lillian Wald die Triebfeder zur Einsetzung der ersten Professorin für Krankenpflege an der Columbia Universität. Sie ergriff die Initiative für eine ganze Anzahl an Vorlesungen am Lehrseminar für zukünftige Krankenschwestern welche an der Universität ihr Krankenpflegestudium aufnahmen. Damit legte sie das Fundament für die Weiterentwicklung der Krankenpflegeausbildung von einem einfachen Lehrberuf, hin zu einem fundierten Studium

Und heute?
Was als „Visiting Nurse Service“ mit nur 2 Krankenschwestern 1893 begann, entwickelte sich zu einer Arbeit von 3000 Angestellten die sich um etwa 700,000 Menschen kümmern. „Visiting Nurse Service“ dient als ein Model für 13,000 „Visiting nurse service- Gruppen“, die heute noch im Auftrag der professionellen Krankenpflege unterwegs sind. Das Henry Street Settlement hat damals wie heute seine Türen geöffnet für alle Menschen in New York und unterstützt mit Sozialarbeit, Kunst und Gesundheitsprogrammen.

Mehr Informationen über die Henry-Street-Stiftung unter: www.henrystreet.org

Quellenangaben:
en.wikipedia.org/wiki/Lillian_Wald
www.henrystreet.org/about/history/lillian-wald.html
www.nahc.org/nahc/val/columns/sc10-4.html

Bilder Quellenangabe:
Foto Henry_Street_Settlemen: Beyond My Ken, Wikimedia.org, under the terms of the GNU Free Documentation License
Tags: Lillian Wald Krankenpflege mutige Krankenschwester Henry-Street-Stiftung

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